Physiotherapie für Kinder: Hamburg-Bergedorf

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Physiotherapeutische Behandlung von Kindern mit urogenitalen und anorektalen Funktionsstörungen

Die physiotherapeutische Behandlung von Kindern mit Funktionsstörungen im Beckenraum ist eine von der AG GGUP (Gynäkologie Geburtshilfe Urologie Proktologie) entwickelte Weiterbildung.  Dabei werden auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und langjähriger praktischer Erfahrung kontinenzfördernde Maßnahmen und Verhaltensmodelle angewendet. Die Behandlung ist übergreifend und beinhaltet aus verschiedenen Konzepten und Therapieformen (z.B. Atemtherapie, Osteopathie, Manuelle Therapie, Psychomotorik, Brügger Therapie) Ansätze und Maßnahmen und vereint diese in Hinblick auf die Zielsetzung.

Wem kann diese Therapieform helfen?

Wie der Name schon sagt, werden Kinder mit Funktionsstörungen im Beckenraum behandelt. Dabei können diese Störungen angeboren oder erworben sein.
Zu den angeborenen Funktionsstörungen gehören Fehlbildungen wie die Hypospadie, Epispadie, Analatresie oder Kloakenfehlbildung. Neben einer operativen Versorgung ist die Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil, um Kindern den Umgang mit dieser Besonderheit zu erleichtern und entsprechende Maßnahmen zur Kontinenzförderung zu erlernen.

Zu den erworbenen Funktionsstörungen gehören verschiedene Inkontinenzformen, die sowohl das tägliche und nächtlich Einnässen, sowie das Einkoten betreffen können. Ursächlich dafür kann ein falsches Entleerungsverhalten, eine zu frühe Sauberkeitserziehung aber auch eine hormonelle Störungen sein.
Aber auch chronische Verstopfung oder das „Nicht-Loslassen-Können“ fällt in das Therapiegebiet.

Ziele der physiotherapeutischen Behandlung

Das Ziel der physiotherapeutischen Behandlung ist, dass die Kinder mit Freude am Leben teilnehmen können und nicht durch eine Funktionsstörung im Becken eingeschränkt werden. Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen und Problematiken sind auch die Ziele sehr individuell, so kann das „Trocken sein“ ebenso ein Ziel sein, wie eine regelmäßige und schmerzfreie Darmentleerung.
Dazu gehört auch das Verständnis des Kindes über die Anatomie und Funktionsweise von Blase und Darm, welches mit anschaulichen kindgerechten Materialien vermittelt wird. Ebenso wird die Körperwahrnehmung, insbesondere die Wahrnehmung des Beckenbodens geschult. Bei Funktionsstörungen im Becken ist das Wahrnehmen und Loslassen am wichtigsten.

Angepasste Verhaltensweisen können die Problematik der Funktionsstörung im Becken je nach Ursache positiv beeinflussen.

Dazu gehören:

  • Angepasstes Trink- und Essverhalten
  • Richtiges Toilettenverhalten (Sitzhaltung, Gestaltung des WCs)
  • Richtiger Umgang mit dem Dranggefühl
  • Anwendung von Hilfsmitteln (Biofeedbackgeräte, Pieselpiepser etc.)
  • Ruhe bewahren!

Wann kann man mit der Therapie beginnen?

In der Regel sollten Kinder spätestens mit vier bis fünf Jahren trocken sein, da in diesem Alter der Reifungsprozess im Gehirn abgeschlossen ist. Bei einer Funktionsstörung ist ab einem Alter von etwa vier Jahren der Beginn der aktiven Beckenbodentherapie möglich, da eine gewisse kognitive Leistungsfähigkeit erforderlich ist.

Wer darf die Therapie von Kindern mit anorektalen und urogenitalen Funktionsstörungen anbieten?

Diese Therapieform ist eine Zusatzausbildung für Physiotherapeuten.

Der Therapeut erlangt in der Fortbildung spezielles Wissen über die Anatomie und Funktionsweise des Beckenbodens, mögliche Problemfaktoren und entsprechende Behandlungsansätze.

Da es im Heilmittelkatalog für Physiotherapeuten keine Abrechnungsposition zu dieser Therapie gibt, wird sie häufig als „Allgemeine Krankengymnastik“ mit dem Verweis auf die spezielle Beckenboden-Problematik verordnet.